Freitag, 13. September 2013


8.9. Cusco 
Ruhe- und Pausentag



berühmter 12-eckiger Stein


7.9. Urcos - Cusco 49 km
Standortkoordinaten: S13.51877,W071.97384 Höhe 3.400 m

Die Täler, die wir die letzten Tage durchfuhren, waren wunderschön. Hätten die einfachen Hütten der kleinen Bauernhöfe keine Wellblechdächer, könnten wir auch durch das europäische Mittelalter radeln. Ochsen ziehen auf den kleinen Feldern einen Pflug, Lehmziegel werden von Hand hergestellt und liegen neben der Straße zum Trocknen und immer wieder kleine Herden von Schafen und Kühen, die von Schäfern beaufsichtigt werden. Armut soweit das Auge reicht. 

Aber auch sehr viel Müll. Der Westen hat den Leuten hier so praktische Dinge wie Plastiktüten und PET-Flaschen gebracht, aber keiner hat ihnen gesagt, wie sie das Zeug wieder loswerden. Verrotten tut es zumindest nicht neben der Straße.

Bis zu unseren Ruhetagen liegen nur noch 49 KM, aber wir müssen wieder auf 3.400 m hoch. Die Frage ist nur, wann kommt die Steigung? Es geht weiterhin bergab, Kilometer für Kilometer. Alles was wir runterfahren, müssen wir auch wieder hinauffahren. Nix, keine Steigung, alles flach und ebenerdig. KM 25, das kann doch nicht sein, wann geht es endlich bergauf. Ich habe keine Lust, die 300 Höhenmeter auf den letzten Kilometern abzureissen... Aber so kommt es leider. 

Wir sehen Cusco vor uns und noch immer nix.... Jetzt, etwa 9 Kilometer vorher dürfen wir uns noch einmal so richtig ins Zeug legen. Mann o Mann, das brauchen wir wirklich nicht. Wir "graben" uns durch den Smog und durch die chaotischen Autofahrer von Cusco und suchen das Guesthouse Estrellita, welches die inoffizielle Radlerherberge von Cusco ist. Im Guesthouse treffen wir weitere Fahrradfahrer. Bislang waren wir immer die ältesten die unterwegs waren. Dies ändert sich ab heute schlagartig. Und wieder alles Radler, die von Nord nach Süd fahren. Das Guesthouse besitzt einen kleinen Innenhof mit Sitzgelegenheit, Küche, Wifi und natürlich warmer Dusche. Hier bleiben wir erstmal. 

Innenhof unseres Guesthouses
Cusco hat auch seine Vorteile
Übergroßer Keks
Bald sind wir da...

Mittwoch, 11. September 2013


6.9. Aguas Calientes - Urcos 124 km
Standortkoordinaten: S13.68865, W071.62518, Höhe: 3160 m

Mal wieder sind wir morgens um 5.30 Uhr wach. Liegt es an der peruanischen Luft? Draußen ist es bitterkalt, aber das stört uns nicht, denn wir haben die heißen Bäder für uns alleine. Die Nebelschwaden und die Berge versammeln sich ringsherum. Es ist ein traumhaftes Flair, was wir heute morgen genießen dürfen. Die 40 und 50 Grad heißen Bäder geben uns Kraft für den heutigen Tag.

Wir könnten es bis Cusco in zwei Tagen schaffen. Es sind noch ca. 170 km. Der Tag beginnt für uns nach dem entspannten Bad um 7.30 Uhr. Was jetzt kommt, ist für uns ein Kinderspiel. Wir ziehen Windjacke, Fleecehandschuhe und Mütze an und ab geht's. Die nächsten KM sind reine Abfahrt, kaum ein Meter bergauf. Wir kommen tiefer und tiefer. Die vielen Dörfer die wir streifen, nehmen wir kaum wahr, denn wir sind schnell unterwegs. Kein Wunder, denn alles was jetzt kommt, liegt tiefer als 4.000 m. 

Nach 30 km die erste Pause. Es wird wärmer. Die Luft zum atmen ist viel angenehmer und was das Schönste ist, ich kann durch die Nase einatmen und durch den Mund ausatmen. Man, habe ich das lange nicht mehr gehabt. Weiter geht's. KM 60 und 70 sind angebrochen. Wir erreichen unsere Mittagsstation, ein kleines Dorf. Es gibt frittierten Käse und Fisch und dazu natürlich wie immer: Reis. Die Überlegung für heute, weiterfahren, oder irgendwo eine Unterkunft suchen? Es ist noch zu früh. Wir wollen unseren Tagesrekord der Reise versuchen zu knacken. Auf den letzten 15 km mache ich fast schlapp. Obwohl es fast nur bergab geht, haben wir heftigen Gegenwind. Aber da müssen wir nun durch. 

Urcos liegt auf der Höhe von 3.100 m. Puls normal, Atmung normal. Wir können sogar die Räder vollbepackt bergauf richtig schieben ohne außer Atem zu kommen, tolles Gefühl. Die gesuchte Unterkunft Hostal El Amigo liegt gleich neben der Polizeistation. Wir schauen uns das Zimmer an und als wir den Preis erfragen, möchte der nette Besitzer 17 Euro haben. Er zählt uns die Serviceleistungen seines Hostals auf: Wifi, heiße Dusche 24 Stunden, TV und Elektrizität. Das ist wirklich alles in allem Luxus. Aber das ist uns zu teuer. Wir verhandeln den Zimmerpreis auf 12 Euro.

Das Bad am Morgen








Bitte nicht hinter der Kurve....

Dienstag, 10. September 2013


5.9. Ayaviri - Aguas Calientes 82 km
Standortkoordinaten: S14.45115, W071.07314, Höhe 4100 m
Abra La Raya  Pass 4335 m

Mir graut vor heute. Noch wissen wir nicht, wie weit wir kommen, denn auf unserer Strecke liegt noch der Abra La Raya Pass von 4335 m. Noch lässt der Pass auf sich warten. Jetzt, ab Kilometer 70 fangen langsam wieder die Oberschenkel an zu brennen, wir müssen uns richtig anstrengen. Die Meter ziehen sich Stück für Stück. Eben dachte ich noch, da hinten in der Kurve ist der Spuck vorbei und dann wird mir ein Strich durch die Rechnung gemacht. Da geht es ja noch immer weiter und weiter. Die Atmung wird wieder langsam. Durch die Nase zu atmen, keine Chance. 

Mir kommt eine Idee: Ein langsamer LKW muss her. Mist, an vorbeifahrende LKWs können wir uns leider auch nicht dranhängen, die sind zu schnell für uns. Also Augen zu und durch. Am Pass angekommen, geht es wieder per Downhillabfahrt runter. Die letzten 10 Kilometer sind angebrochen. Wir schaffen es heute tatsächlich bis Aguas Calientes. Wie der Name verrät, gibt es hier heiße Quellen. Das an den Bahnschienen gelegene Dorf besteht aus 3 Häusern, zwei Kühen und einem Hund und natürlich die heißen Bäder. Ich denke nur, heißes Bad genommen und dann kein Zentimeter mehr Rad fahren für heute. Und so machen wir das auch, denn auf dem Gelände befindet sich eine Unterkunft. 

Ayaviri




Abendessen vor den Heißen Bädern
Aguas Caliente


4.9. Lampa - Ayaviri 76 km 
Standortkoordinaten: S14.88190,W070.58967

Das kleine Örtchen Lampa verlassen wir über eine Schotterstraße, die 9 km bergauf geht. Die Straße befindet sich im Bau und so treffen wir viele freundliche Bauarbeiter. An einigen Stellen arbeiten sogar die Frauen mit, die halten die Stopp- und Weiterfahrenschilder. Auf dem Pass auf 4.100 m angekommen, freuen wir uns auf eine ebenso lange Downhillabfahrt. Nach 4 km müssen wir allerdings stoppen, da ein Bagger die Straße vom Schutt befreien muss. Nach der Frage, wie lange es dauert, wird uns gesagt, etwa eine Stunde. Heißt für uns: zweites Frühstück. In der Warteschlange sind zwei Motorräder und ein Wasserfahrzeug. 

Als es weitergeht lassen wir alle vor, was sich im Nachhinein als Fehler herausstellt. War die Piste eben noch sandig und trocken, ist sie nun vor uns in Matsch getränkt. Das gefällt uns gar nicht, denn so können wir die Räder nicht mit in unsere nächste Übernachtungsstätte nehmen. Zumal auch unsere Kleidung aussieht, als hätten wir sie drei Tage nicht gewaschen. Eine Fahrradwäsche muss heute noch irgendwie her! Nach 22 km gelangen wir wieder auf wunderbaren Asphalt. Der Matsch ist mittlerweile hart und an den Fahrrädern festgetrocknet. Ein Fall für den Hochdruckreiniger. 

Mittags kommen wir in Pucara an und freuen uns über ein Mittagessen bei der netten Señora, die uns unsere Räder mit ins Restaurant nehmen lässt. Wir fragen, ob es im Dorf eine Autowäsche gibt, damit wir unsere Räder wieder sauber bekommen.  Sie biete uns an, hinter ihrem Haus die Fahrräder zu putzen. Gesagt getan und so machen wir uns an die Arbeit. 

5 km aus Pucara  heraus, kommt uns ein Fahrradfahrer entgegen. Es ist Klaus aus Frankfurt, der seit 15 Monaten unterwegs ist. Seine Route, wie soll es auch anders sein: Von Alaska bis Feuerland. 3 Tage zuvor haben wir noch einen Holländer und einen Amerikaner getroffen. Kurzer Austausch von Tipps und schon geht es weiter, denn evtl. sehen wir Klaus Ende des Jahres wieder, wenn wir selber in Patagonien rumradeln. Vermutlich auch Lena und Hardy aus Berlin, mit denen wir für einige Tage in der Casa de Ciclista in La Paz gewohnt haben. Auf den letzten 20 Kilometern haben wir das, was wir lange nicht mehr hatten. Rückenwind vom allerfeinsten. 

Hotel in Lampa
Die Straße wird asphaltiert
Zwangsstopp

Waschalarm


Klaus aus Frankfurt

Samstag, 7. September 2013


3.9. Deustua / Cabanillas - Lampa 34 km, 3.892 m
Standortkoordinaten: S15.36549,W070.36625

Es sind zwar heute nur 34 km, nur fahren wir diese über eine Schotterstraße, die Gott sei Dank nur geradeaus geht und keine großartigen Höhenmeter zu verzeichnen hat. Bereits um 11.30 Uhr kommen wir an. Im kleinen verschlafenen Dorf Lampa mit großer wunderschöner Kirche wollen wir uns ins Hostal Residencia Lampa einquartieren. Aber die Dame an der Rezeption lässt uns nicht die Räder mit auf das Zimmer nehmen, wir könnten die Räder doch in die Garage stellen. Das ist uns natürlich viel zu unsicher und wir wollen gerade gehen, als der Chef des Hauses kommt und natürlich können wir die Fahrräder mit ins Zimmer nehmen. Ganz stolz erzählt er, dass vor einem Monat auch zwei Fahrradfahrer hier übernachtet hätten. Eine angeblich warme Dusche genommen und wir erkunden das kleine Dorf. 

Was sehen unsere Augen da, ein Tandem mit Fahrradanhänger, ein Liegerad und 3 Fahrräder samt Gepäck und das mutterseelenallein. Das Tandem trägt eine Frankreichfahne. Weit können sie ja nicht sein. Nach etwa 10 Minuten kommt ein Franzose aus dem Restaurant und wir kommen so ins Gespräch. Er, seine Freundin und eine Familie aus England fahren von Kolumbien nach Feuerland. Die Familie aus England, bestehend aus Vater, Mutter und zwei Söhnen 11 und 13 Jahre alt wollen ebenfalls ein Jahr reisen. Wir fragen nach der Schule für die beiden. Es stellt sich heraus, dass die Eltern Lehrer sind und ihre Söhne für das Jahr selber unterrichten. Was für ein Luxus! 

Da sie gerade angekommen sind, zeigen wir ihnen unsere Unterkunft. Diese soll nun aber schon umgerechnet 12 anstatt 9 Euro kosten. Weil in den Zimmern zwei Betten stehen ist die Begründung. Wir merken kurz an, dass in unserem Zimmer auch zwei Betten stehen und wir nur 9 Euro zahlen. Ja also, das sei so eine Sonderaktion gewesen gibt das Personal zu verstehen. Ob sie denn keine weiteren drei Zimmer an die Franzosen und die englische Familie für jeweils 9 Euro vermieten möchte, sondern lieber auf den Umsatz verzichten möchte, fragt die Französin, denn hierhin verirren sich ja nicht all zu viele zahlungsfähige Gäste. Ja man wolle lieber auf den Umsatz verzichten meint das Personal. In Deutschland kennen wir etwaiges gebaren auch unter: Vorsicht, Kunde droht mit Auftrag!

Querfeldein-Fahren auf Schotter
Diese Behausungen sind noch bewohnt
Große Kirche im kleinen Dorf Lampa
So sieht es oft in Peru aus, Müll vor der Haustür,
Müll im Straßengraben...

2.9. Puno -Sillustani - Deustua / Cabanillas 70 km
Standortkoordinaten: S15.64195, W070.34921, Höhe 3907 m

Zeitig geht es heute los. Um aus der Kleinstadt Puno herauszukommen, müssen wir erst einmal einige Höhenmeter hochpumpen. Und das bei den schwarzen Abgaswolken der vielen Kleinbusse. So etwas wie TÜV oder Abgasuntersuchung gibt es hier natürlich nicht und so haben wir unsere Mühe, bedingt durch Abgase und dem geringeren Sauerstoffgehalt in dieser Höhe den kleinen Pass zu erreichen. Mir brennt richtig die Lunge. 

Dann aber geht es auf bestem Asphalt Richtung Sillustani. Hier sehen wir uns sogenannte Chulpas, auch Grabtürme genannt an. Lange vor den Inkas haben die Einheimischen hier ihre Toten eingemauert. 

Heute wollen wir mal ohne großartigen Verkehr auskommen und so nehmen wir nicht die gleiche Route zurück, sondern fahren querfeldein über Dörfer und Stock und Stein. Ob wir uns das gut überlegt haben? Die Landschaft entschädigt uns für die Schotterstraße mit groben Feldsteinen. Ich habe sogar einen neuen Freund gefunden, der mit einer Horde Schweine unterwegs war. Das kleine Lamm ist vermutlich gerade mal ein paar Tage alt und noch ganz wackelig auf den Beinen. 

Zwischendurch fluche ich und denke, nur keinen Platten kriegen. Auf dieser Strecke gibt es unzählige kleine Dörfchen, mit vielen kleinen vermeintlichen Straßen. Der Weg ist schwer zu finden. Unser neues Motto an jeder Abzweigung heißt: PPS = Pare, Preguntar y Salir (anhalten, fragen, weiterfahren). Zwischendurch dachten wir, ein älterer Herr will uns ver...piep, denn er schickt uns zurück und meinte, wir wären zu weit gefahren. Und wieder 3 km zurück. Aber dann zeigt unser GPS wieder die richtige Richtung an. Die Schule scheint aus zu sein, denn wir treffen viele Kinder verschiedenen Alters, die uns freundlich grüßen und sich freuen. Eigentlich wollen wir in Cabana übernachten, nur sagt man uns, dass es ein Dorf weiter mehrere Hospedajes gibt. Dazu müssen wir nur noch 7 km weiterfahren. Um den Hügel rechts herum und linksrum rauf. Na gut, gesagt getan. Hospedaje gefunden und das sogar mit heißer Dusche. Bevor ich es vergesse, die 3.000er Marke ist geknackt.

Mein neuer Freund
Chulpas
Häuser unterwegs an der Straße