Sonntag, 22. September 2013



17.9. Chalhuanca - Iscahuaca 45 km
Standortkoordinaten: S14.51831, W073.27587, Höhe: 4200 m

Ausgeschlafen machen wir uns wieder früh morgens auf dem Weg. Laut Recherchen müssen wir wohl heute zelten, denn so auf den nächsten Kilometern kommt laut Karte nichts, na mal sehen. Nach 20 Kilometern erreichen wir Cotaruse, wo wir unser zweites Energie-Frühstück einnehmen. Es gibt Haferflocken mit Müsli und Joghurt. Das brauchen wir auch, denn unsere Fahrt geht auf einen Pass von über 4.000 m. Wann der genau kommt, ist aus unseren Aufzeichnungen nicht ersichtlich. 

Wir fragen nach und man sagt uns, dass der Pass hinter Promesa anfängt, das Dorf ist ca. 10 Kilometer entfernt. Mittags in Promesa angekommen, überlegen wir uns, ob wir vor dem Pass übernachten, oder doch lieber dahinter, denn mein Hintern tut mir das erste mal auf der Reise weh..... nur leider gibt es in Promesa keine Unterkunft. Zelten ist auch schwierig und eine Schule gibt es auch nicht. Das Dorf besteht nur aus 15 Häusern. Also doch die letzten 15 km und 850 Höhenmeter strampeln und schieben.

Aus Promesa wissen wir, dass es in Iscahuaca eine Unterkunft geben soll. Die ersten 2 Kilometer empfinde ich noch nicht anstrengend, aber dann. LKWs überholen uns im Schneckentempo und es geht serpentinartig bergauf. Ab km 3 schiebe ich. Es ist 12.30 Uhr und die Mittagssonne brennt. 

Simon schnappt sich ab Kilometer 5 einen langsamen LKW und hängt sich dran und lässt sich ziehen. Na toll und ich? Ein Pick up hält sofort an und fährt mich prompt 2 Kilometer mitsamt Fahrrad nach oben. Der Fahrer, Carlos aus Arequipa, hält an, als wir Simon eingeholt haben, der sich mittlerweile vom LKW  losgeeist hat. Eigentlich will Carlos uns hochfahren. Wir wollen die letzten 7 Kilometer allerdings aus eigener Kraft schaffen. 

Zum Schluss schenkt Carlos uns noch 3 Grenadinen und ein Küsschen zum Abschied gibt es auch noch. Die letzten Kilometer zum Pass ziehen sich aber unendlich lang. Endlich, um 15.00  erreichen wir das kleine Dorf, mit tatsächlich einer Unterkunft. Die Günstigste, die wir bis jetzt hatten (5,60 €) und eine kleine Terrasse mit Vorgarten gibt es auch noch dazu. Von 2900 auf 4200 Meter, 1300 Höhenmeter schlauchen ganz schön.

Promesa, letzte Ruhepause
da unten liegt Promesa und noch nicht oben angekommen

Ziel erreicht
Terrasse mit Vorgarten
Hostalfront 

16.9. Abancay - Chalhuanca 121 km, Höhe 2.920 m
Standortkoordinaten: S14.29503,W073.24781

6.30 Uhr, es ist warm und wir sitzen auf den Sätteln. Leider müssen wir erstmal 600 Höhenmeter runter. Nach 15 km haben wir die Höhe von 1.840 m erreicht. Es ist wieder wie im Dschungel: Wärme und lästige Sandfliegen. Da loben wir uns doch das Rad fahren auf der Höhe zwischen 3000 und 4000 Metern ohne Mückenstiche. 

Wir fahren flussaufwärts, Kilometer für Kilometer. Rechts und links neben uns die bewaldeten Berge. Noch haben wir Energie und Elan für den heutigen Tag. Mittags kehren wir in ein kleines Restaurant ein. Es gibt wieder Suppe und frittierte Forelle und 1 Liter Coca Cola für insgesamt 2,80 Euro. Gut gestärkt machen wir uns weiter auf den Weg. Wenn wir es nicht schaffen, müssen wir irgendwo zelten und haben Plagegeister die ganze Nacht und das will ich verdammt nicht. Das hat mein Körper die letzten Male genug zu spüren bekommen. 

In den kleinen netten Dörfern am Straßenrand gibt es aber hin und wieder Übernachtungsmöglichkeiten und wir überlegen, ob wir schon einkehren sollen. Aber es sind ja nur noch 50 km. Dann nur noch 40 km und bei 30 km sagen wir uns: „die schaffen wir auch noch.” Nach 100 Kilometern und 20 km vor dem Zielort wünschen wir uns nur noch ein Bett und bestellen dieses beim Universum. Und peng macht es und vor uns steht ein Hotel. Mit 30 Euro pro Zimmer überschreitet es aber leider unser Budget und wir müssen weiterradeln. Obwohl das Anwesen schon sehr gut aussieht so ohne Müll im Vorgarten, mit Blumen und so richtig gepflegt. Völlig untypisch für Peru. 

Nach einer Fahrzeit von 8 Stunden und 6 Minuten haben wir es dann nach durchgehend 85 km bergauf doch noch nach Chalhuanca geschafft. Wir werden auch gleich von ein paar halbstarken Jungen in Empfang genommen. Wir fragen nach, ob sie wissen, wo wir Essen können und umgehend werden wir im Convoy zu einem Restaurant  begleitet. Die Jungs haben Geschmack, denn das war nach über 2 Monaten ein wirklich gutes Abendessen für wenig Geld. Im Dorf sind wir mal wieder eine Attraktion. Hier werden wir sogar Gringa und Gringo genannt, aber auf freundliche Art und Weise. 





15.9. Cusco - Abancay Höhe 2.460 m
Standortkoordinaten: S13.63596, W072.87973

Der Entschluss zur kurzfristigen Routenplanänderung ist gefallen. So langsam geht es mit der Regenzeit in den Bergen los und Peru ist doch wesentlich größer und bergiger als gedacht. Die letzten Abende hat es auch in Cusco bereits angefangen zu regnen. Der neue Weg wird uns in Richtung Küste nach Nazca führen. Dann weiter über Lima nach Huaraz. 

Mit dem heutigen Bustag haben wir schon mal die ersten 3 Tage aufgeholt, denn über die Berge in Richtung Ecuador müssen wir auch noch. Die geplante Busfahrt soll um 7.30 Uhr beginnen. Um 7.45 Uhr ist noch immer kein Bus da. So langsam werden die Peruaner ungeduldig. Auf Nachfrage bei der Agentur heißt es, eine Verspätung von ca. 30 Minuten. Naja, das geht ja noch. Als aber um 8.30 Uhr noch immer kein Bus da ist, sind auch wir langsam ungeduldig, denn wir planen, den Nachmittag noch zu unserer nächsten Unterkunft zu radeln. 

Um 8.45 Uhr wird es wohl nichts mehr mit dem Bus, denn mittlerweile hören wir, dass der Bus kaputt sei. Und was denn nun? Ich reihe mich in die "wütende" Schlange der Peruaner ein und reklamiere unsere Tickets. Es hilft, wir alle bekommen zumindest das Geld zurück. Der wahre Grund ist ein übermüdeter Busfahrer, der keine Passagiere befördern will. Glück gehabt. 

Eine neue Busagentur muss her. Am Busbahnhof klappere ich jede Agentur ab, die nach Abancay fährt. Gesucht, gefunden. Der nächste Bus geht um 10.00 Uhr. Zwar kommt der auch 10 Minuten zu spät, aber dann geht es los. Wird wohl nichts mehr mit unserer Fahrradtour am Nachmittag. Also müssen wir in Abancay übernachten. Das Hotel Imperial können wir noch auf 35 Soles, also 10 Euro herunterhandeln. Dafür müssen wir dann morgen 30 km mehr radeln.

Sonntag, 15. September 2013



14.9. Cusco

Ruhetag 

13.9. Machu Picchu - Cusco

Pünktlich um 8.53 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Die Bahn führt durch ein wunderschönes, sehr enges Tal. Neben den Schienen ein reißender Fluss und überall Urwald. Die Berge rechts und links ragen steil neben den Bahnschienen in die Höhe und in zweiter Reihe ragen eisbedeckte 5000 Meter hohe Gipfel in den Himmel. Eine eindrucksvolle Fahrt. Nach 2 Stunden kommen wir auch schon in Ollantaytambo an und für 3 Euro geht es mit dem Minibus nach Cusco. 

Auch hier scheint wieder ein kleiner Michael Schumacher am Steuer zu sitzen, aber zum Glück geht es über keinen Pass. Alles in allem hat die Fahrt von Machu Picchu bis Cusco dann auch nur 4 Stunden gedauert, was für ein Luxus. Der Rest des Nachmittags wird nur noch ausgeruht, denn uns plagt der Muskelkater vom vielen Treppensteigen in Machu Picchu.

Bahnstation
Zuginnenraum



12.9. Machu Picchu (Alter Berg)

Der Wecker klingelt um 4.00 Uhr. Bewaffnet mit Taschenlampe geht es um 4.30 Uhr zur ersten Brücke und Eingangskontrolle in Richtung Machu Picchu. Wir sind nicht die einzigen Verrückten. Anhand der Taschenlampen sehen wir, wer alles unterwegs ist. Pünktlich zur Öffnung um 5.00 Uhr erreichen wir den ersten Zutrittspunkt. Ticket und Reisepass vorgezeigt und auf geht es in Richtung Eingang Machu Picchu. 

Aguas Calientes liegt auf 2.090 m, Machu Picchu auf 2.430 m und wir wollen den Sonnenaufgang erleben. Wir wandern die steilen Stufen ziemlich schnell hinauf. Wir hätten auch den Bus für 19 US-Dollar nehmen und mit allen anderen Touris hochfahren können, das ist aber nicht dasselbe. Geschafft, um 5.55 Uhr stehen wir am Eingang zum Machu Picchu, klitschenassgeschwitzt. Um 6.00 Uhr öffnen die Tore. Was uns gleich erwartet ist nicht in Worte zu fassen und eigentlich auch nicht im Bild so zu sehen, wie es in der Realität wirkt. 

Die gut erhaltenen Ruinen ruhen auf einer Art Plato umringt von steilen, urwaldbewachsenen Bergen. Das ganze liegt so versteckt in den Bergen, dass es nicht verwunderlich ist, dass die Spanier bei ihrer Eroberung Südamerikas diesen Ort nie entdeckt hatten und Machu Picchu erst 1911 aktenkundig wurde.

Unsere Eintrittskarte beinhaltet nicht nur die Ruinen, sondern noch zusätzlich den Berg Machu Picchu. Wie hoch der ist, wissen wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Es erwartet uns ein Aufstieg von 1,5 Stunden mit steilen Stufen. Oben angekommen sind wir auf 3.082 m. Ein fantastischer Ausblick. Gegen Mittag verlassen wir das Gelände und steigen hunderte von Stufen bergab ins Tal. 

Mir graut vor der Rückfahrt. Wir versuchen noch ein Zugticket zu ergattern, denn die Hinfahrt mit dem Minibus war ja zugegebenermaßen doch etwas anstrengend. Die Züge sind meist im Voraus über Wochen ausgebucht. Wir haben Glück und erwischen noch 2 Plätze für den 9.00 Uhr Zug. Zwar nicht direkt bis Cusco, aber zumindest bis zum Ende der schrecklichen Serpentinenstraße in den Ort Ollantaytambo. Es gibt zwei Preistafeln am Bahnhof, eine für die Einheimischen und eine für die Touristen. Wir zahlen pro Person umgerechnet 45 Euro und die Einheimischen 3 Euro. 



Machu Picchu 




So bauten die Inkas

Samstag, 14. September 2013


11.09. Cusco - Machu Picchu

Die Entscheidung ist gefallen, wir wählen die günstigste Variante. Wir machen uns mit unseren gepackten Rucksäcken zu sechst auf den Weg nach Machu Picchu. Um 8.30 Uhr sind wir startklar. Der Fußmarsch zum kleinen Busterminal dauert 30 Minuten. Da wir zu sechst reisen, besteht die Möglichkeit, dass wir auf keine weiteren Leute im Minibus warten müssen, so dass wir schnell loskommen. Und so ist es auch. 3 einheimische (2 Kleinkinder mit Mutti) reisen mit uns und schon ist der Bus fast voll. 

Wir sammeln in Urubamba noch 3 Reisende ein. Die Fahrt führt uns durch viele kleine Ortschaften. Eigentlich ist es eine schöne Fahrt, wenn der Fahrer nicht mit gefühlten 160 durch Ortschaften fährt und so dermaßen überholt, obwohl auf der Gegenfahrbahn uns Autos entgegenkommen. Selbst in Kurven wird überholt. In jeder Kurve und in jeder Ortschaft mit Kirche bekreuzigt sich der Fahrer. Ein Selbstmörder? 

Nach etwa 2 Stunden erreichen wir das heilige Tal der Inkas (Valle Sagrado). Die Fahrt geht nun hoffentlich gemäßigt weiter, denn wir fahren serpentinartige Straßen und müssen auf den Málaga Pass auf 4350 Meter hoch. Pustekuchen, in die Kurven fährt er steil hinein. Uns ist schon schlecht. Von der hinteren Bank hören wir komische Geräusche und der Fahrer fragt, ob die Mama Tüten für die Kinder hat. Dann geht es in Serpentinen den ganzen Weg wieder bergab. Nun fängt auch die Mutter an sich zu übergeben. Der beißende Geruch bringt es noch mehr dazu, dass uns schlecht wird. Der Spuk ist nach 4 Stunden vorbei. Wir kommen in Santa Maria an und steigen alle kreidebleich aus dem Minibus. 

Nach einer halben Stunde Pause und genügend Sauerstoff, geht es mit dem Taxi weiter nach Hydroeléctrica. Die Fahrt dauert gut eine Stunde auf der Schotterpiste. Die Straße ist  in den Abhang gefräst, sehr knapp bemessen, teilweise für nur ein Auto ausgelegt und links geht es steil ins tiefe Tal hinab. Der Fahrer dreht laut die Latinomusik auf und gibt Gas. Heil in Hydroeléctrica angekommen, freuen wir uns nun mit noch etwas wackeligen Knien auf den Fußmarsch. 

Immer an den Bahnschienen entlang durch den Urwald in dem schon die Moskitos und Sandfliegen auf uns warten. Wir erreichen bei Einbruch der Dunkelheit nach 3 Stunden Wanderung das sehr touristische Dorf Aguas Calientes, den Startpunkt für die Wanderung nach Machu Picchu. Insgesamt sind wir somit seit heute Morgen 11 Stunden unterwegs und wir freuen uns jetzt schon zurück auf den harten Fahrradsattel. 

Aguas Calientes ist das Touristischste, was wir in ganz Peru gesehen haben. Souvenirstand neben Souvenirstand, Restaurants mit weißen Tischdecken und Weingläsern, Restaurants und Pizzerias, Musik und Leuchtreklame erinnern fast an Ischgl bei Nacht. Nur liegt das Ganze mitten im Urwald und hat keine Straßenanbindung. Eine Nacht hier im Nobelhotel kostet so viel, wie ein peruanischer Bauer in einem Jahr verdient. Ein Essen im Restaurant würde die peruanische Landbevölkerung einen Monatslohn kosten. 



Auf dem Weg nach Machu Picchu