Dienstag, 17. Dezember 2013

14.12. San Agustín - Altamira 80 km
Standortkoordinaten: N02.06787,W075.78826 Höhe: 1038 m

Eigentlich wollen wir nur bis Pitalito wieder zurückfahren, aber da es viel bergab geht, die Sonne scheint und bei mir fast alles wieder in Ordnung ist, fahren wir heute doch noch etwas länger. Die Gegend hier um den Rio Magdalena ist wunderschön. Man muss sich wirklich wundern, wie viel Höhenmeter man trotzdem auf kurzen Bergab- und Bergaufstrecken hochstrampelt. Nach 80 km ist bei mir die Luft raus. Diesmal entscheiden wir uns nicht für die Tankstellenunterkunft, sondern weichen auf das Hotel El Portal de Altamira aus. Altamira? Es ist leider nicht meine Lieblingstapasbar in Bahrenfeld, sehr schade. Trotz der vielen Abfahrten sind wir doch noch 1010 Höhenmeter bergauf geradelt. 

Kaffeepflanzen werden an der Straße verkauft


13.12. San Agustín
Standortkoordinaten N01.88245, W076.27213

Hätte ich das man gestern nicht laut gedacht. Nun müssen wir wegen mir einen Zwangsruhetag einlegen. Dank des sehr lieben Hotelbesitzers bekomme ich am Abend einen speziell von ihm selbstgebrauten Kräutertee, damit es mir schnell wieder besser geht. Simon tüftelt den lieben langen Tag an unserer Ausrüstung herum und versucht noch etwas an Gewicht zu reduzieren. Naja, bei mir hat es heute ja schon geklappt. 
12.12. San Agustín
Standortkoordinaten N01.88245, W076.27213

Der Weg führt uns heute zu Fuß zum archäologischen Park von San Agustín. Der Park ist einzig auf der Welt mit seinen fünfhundert in Stein gehauenen Statuen. Die meisten dieser Statuen gehörten zu den Grabbeigaben der ehemaligen Volksstämme, die diese Gegend besiedelten und nehmen Bezug auf Begräbnisriten, der spirituellen Macht der Toten und der übersinnlichen Welt.

Immer wieder denken wir uns, warum ist Simon nicht hier krank geworden? Denn hier im kleinen freundlichen Hotel lässt es sich aushalten. 

San Agustín
rosa Zwergbanane






11.12. Pitalito - San Agustín 28 km Höhe: 1642 m
Standortkoordinaten: N01.88245, W076.27213

Der Tag empfängt uns mit Sonne und Nebelschwaden. Heute sind es bis zum Ziel San Agustín nur 28 km. Mit Glück bleibt es heute trocken. 

Auf dieser Strecke ist der Urwald extrem abgeholzt und der Weg wurde unter anderem für den kolumbianischen Hochlandkaffee freigemacht. An jedem kleinen Dorf, an dem wir auf den nächsten Kilometern vorbeikommen, stehen unzählige Kaffeepflanzen auf dem Grundstück. Nescafé hat hier auch die Hände mit der Arabica Bohne im Spiel. 

Die letzten 5 Kilometer müssen wir uns nochmal kräftig  in die Höhe radeln, bevor wir in dem kleinen Dorf ankommen. Der erste Weg führt uns in eine Bäckerei, denn ich bin völlig unterzuckert. Dann geht das Suchspiel mit einer Unterkunft los. Die Casa de Ciclista ist zur Zeit geschlossen. Wir entdecken in einer Querstraße ein von außen gutaussehendes Hotel namens Raices. Die Zimmer sind klein und schnuckelig und in einem Innenhof gelegen. Wir können endlich mal wieder kochen, denn wir dürfen die Küche mitbenutzen, herrlich. Weitestgehend bleibt es auch trocken, so dass wir den Tag draußen im Sonnenstuhl verbringen. 



Kolumbianische Kaffeebohnen
Rio Magdalena, aber wir sind noch nicht oben
Pitaya/Drachenfrucht


Donnerstag, 12. Dezember 2013

10.12. San Juan de Villalobos - Pitalito 63 km
Standortkoordinaten: N01.84764, W076.08637, Höhe: 1315 m

Gestern Abend dachten wir noch, das wird die schlimmste Nacht unserer Reise und wir werden kein Auge zu machen, denn der Aufenthaltsraum mit Sitzecke und Fernseher grenzt genau an unser Zimmer und nur durch eine Bretterwand getrennt. Aber im Gegenteil: alles schön ruhig und super geschlafen. Wir verzichten auf unser Frühstück und nehmen es später ein. 

Der Morgen beginnt trocken. Wir beten und hoffen, dass es heute so bleibt, denn wir müssen erstmal 32 km bergauf radeln. Der Regenguss beginnt pünktlich um 9 Uhr. Wir retten uns gerade noch unter das Vordach eines Verkaufsstandes. Nur hat dieser geschlossen. Nicht schlimm, denn Tisch und Stühle sind vorhanden. Es dauert nicht lange, dann kommt die nette Señora des Standes und hat Kaffee mitgebracht. Herrlich, den brauchen wir jetzt auch. Wir plaudern und quatschen, denn der Regen kommt jetzt sintflutartig vom Himmel. So schaffen wir es nie bis zu unserem eigentlichen Ziel San Agustin. Also plaudern wir weiter über Weihnachten und Sylvester in Kolumbien. Nach über einer Stunde Pause können wir endlich weiter. Die kurze Pause des Regens dauert aber nicht lange an. Pitschnass  erreichen wir gegen Mittag den Pass auf 2280 m. 

Auch hier wieder Militärposten und das nicht zu knapp. Die Jungs vom Militär halten uns im kurzen Schnack auf. Sie geben uns noch einen Tipp für ein leckeres Mittagessen und zur Verabschiedung erklärt uns der junge Soldat, dass sie das Militär Ejército legal sind und zum Land gehören und das sie nicht die FARC wären. Na da sind wir aber froh denken wir. 

Nun liegt eine wunderbare Abfahrt vor uns. Die 1000 Höhenmeter, die wir uns mühsam erstrampelt haben, gehen wieder bergab. Wir halten allerdings noch bei dem Restauranttipp. Hinter dem Restaurant gibt es eine eigene Forellenzucht. Der Fisch ist wirklich sehr lecker. Kurz vor Pitalito, an der Abzweigung nach San Agustin, wollen wir übernachten. In der ersten Unterkunftsmöglichkeit stelle ich dann fest, dass es viele Garagentore gibt. Auf Nachfrage, ob es ein Hotel oder Motel sei, war die Frage schon beantwortet. Aber kurz dahinter finden wir eine Tankstelle mit Zimmern. Perfekt: Zimmer nach hinten raus, eigenes Bad, sieht alles ziemlich neu aus. Ich liebe die Tankstellen Kolumbiens.



Talfahrt Richtung Pitalito


Schöne blinkende Weihnachtsdeko vor unserer Tür

Mittwoch, 11. Dezember 2013

09.12. Mocoa - San Juan de Villalobos 68 km 
Standortkoordinaten: N01.49629, W076.37936 Höhe: 1395 m

Es geht los. Soweit ist Simon wieder fit. Allerdings können wir nicht früh los, denn es gießt noch in strömen. Um kurz vor acht machen wir uns endlich auf den Weg. Heute heißt es wieder Aufstieg, Aufstieg, Aufstieg. Die ersten 20 km gehen wir ganz langsam an, zwischendurch verlieren wir wieder an Höhe. Trotz der Ruhetage bin ich heute ziemlich erledigt. Der Aufstieg fällt mir besonders schwer. Es fühlt sich an, als hätte jemand die Handbremse angezogen.  

Nach km 35 kommen wir an einer Truckerraststätte vorbei. Zeit für unser zweites Frühstück. Für ein Mittagessen ist es noch ein wenig zu früh, obwohl das Essen der Truckerfahrer wirklich gut aussieht. Wir bestellen uns Kartoffeln, die schmecken in Kolumbien genauso lecker wie in Deutschland, dazu gibt es leckere Bananen und Kaffee. Es fängt wieder an zu regnen. Da wir im Trockenen sitzen, genehmigen wir uns gleich noch zwei Kaffee. Nach 15 Minuten ist es wieder trocken und wir schwingen uns schnell auf die Räder, denn es liegen noch über 30 km vor uns und die Steigung hat noch kein Ende genommen. Weiter geht's im Trockenen. 

Die Gegend in der wir herumradeln ist wunderschön. Urwald und Täler soweit das Auge reicht. Das Wasser wird uns heute auch nicht ausgehen, da es überall kleine Wasserfälle gibt. Wenn jetzt noch der Regen aufhören würde, dann wäre alles perfekt. Insgesamt sind wir heute 1718 Höhenmeter hinaufgeradelt.  

Wir wissen, dass es in dem kleinen Dorf vor uns ein schönes neues kleines Hotel gibt. Der Besitzer wird auch gerade gerufen, zeigt mir die Zimmer und ich bin begeistert. Der Preis ist auch perfekt. Der Besitzer lässt uns allerdings die Fahrräder nicht mit auf das Zimmer nehmen. Unten am Geländer dürfen wir sie nicht hinstellen und anschließen. Draußen vor der Tür wäre es möglich. Dann können wir die Fahrräder ja gleich verschenken denke ich mir. 

Es gibt leider nur eine Alternative in diesem kleinen hundert Seelen Dorf: Residencial San Juan. Das ist eine dieser Unterkünfte, in denen man am liebsten in der Mitte des Raumes auf einem Stuhl stehend übernachtet. Auch hier trifft der Name Bretterbude zu. Hilft nix, wenigstens gibt es eine schöne heiße Dusche. 

Alternativ überlegen wir noch bei der Polizeistation im Garten zu zelten. Die Jungs sind aber schon vor dem Gebäude so hinter Sandsäcken verbarrikadiert, mit Maschinengewehren auf Dreibeinen im Anschlag, dass wir uns nur denken was wohl besser wäre: Nachts im Kugelhagel sterben oder lieber Bettwanzen? Wir entschließen uns für Bettwanzen.

Residencial San Juan
Dusche
Toilette
Waschraum mit Gartenzugang
Küche
Unser Zimmer
Aufenthaltsraum


06.12. - 08.12. Mocoa

Zwangsruhetage aufgrund von Fieber und Mandelentzündung.

Blick aus unserem Hotel