Mittwoch, 29. Januar 2014

19.01. Puente Los Ñadis - Rio Bravo 78 km
Standortkoordinaten: S47.98696, W073.15141

Wir starten früh, denn wir müssen um 18 Uhr die Fähre am Puerto Yungay nehmen, wo bis 1998 die Carretera Austral endete. Seit 1999 geht sie bis Villa O'Higgins weiter. Das klappt heute ja wie am Schnürchen. Die Straße ist perfekt und der Rückenwind lässt uns praktisch fliegen. 

Nach einigen Kilometern stoppt Simon abrupt ab. Vor uns grasen zwei der scheuen und sehr seltenen Huemuls, eine in den vierziger Jahren fast ausgestorbenen Rehart. Nach 24 km die erste Pause und unser Hund, den wir übrigens Sid getauft haben, da sie so lustig dreinschaut wie das Eichhörnchen von Ice Age, läuft mit den Schweizern voran. Unglaublich, das wäre ja schon ein Halbmarathon. Jetzt geht es noch mal kräftig einige Kilometer bergauf. Um 15 Uhr erreichen wir den kleinen Fähranleger und genießen die restlichen 3 Stunden am Strand. 

Im einzigen Café gibt es ein begrenztes Angebot an Grundnahrungsmitteln. So decken wir uns noch mit Schokolade, Spaghetti und drei Äpfeln ein. Es gibt sogar eine Zwiebel. Erst übermorgen kommen wir vermutlich wieder an einem Krämerladen an. Um 18:00 Uhr sagen wir tschüss von Sid, die heute sagenhafte 70 Kilometer gelaufen ist. Bekommen hatte sie zum Mittag nur zwei Kekse. Auf die Fähre traut sie sich nicht und so wartet sie am Anleger auf die nächsten Fahrradfahrer die sie wieder mit zurück ins weit entfernte Bertrand nehmen. 

Auf einem alten ehemaligen Flugplatz können wir direkt am Fluss zelten. In diesem Teil der Carretera Austral werden wir auch wieder von nicht tropischen Regenwald umgeben und benötigen seit langem mal wieder unser Mückenmittel. 

Überfahrt Puerto Yungay
Huemuls

18.01. Cochrane - Puente Los Ñadis 56 km
Standortkoordinaten: S47.59552, W072.84831

Wir brechen um 8.00 Uhr auf und diesmal sind wir zu dritt. Die berühmte "Carretera Austral" Hündin will heute mit uns, nachdem sie gestern mit den Argentiniern bis Cochrane 70 km gelaufen ist. Die Hündin hat sich was vorgenommen. Bestimmt hat sie nach 5 km keine Lust mehr und dreht wieder Richtung Zivilisation um. Denkste nach 10 km unsere erste Frühstückspause, brav bleibt sie bei uns. Zwischendurch verscheucht sie kleffender Weise die Kühe von der Straße. Und wenn wir im ersten Gang den nächsten Hügel erklimmen, sitzt sie schon oben und schaut uns mit diesen treudoofen Hundeblick an, der nur heißen kann: Hey wo bleibt ihr denn? 

Nach 50 km kommt uns aus Süden ein einzelner Radfahrer entgegen und wir hoffen, dass sie mit ihm zurückläuft, dann ist er wenigstens nicht mehr alleine. Pustekuchen, sie bleibt. An der Brücke Los Ñadis gibt es eine schöne Gelegenheit zu zelten, der Fluss ist vor der Tür, also bleiben wir heute hier. Nach 56 km ist bei uns auch die Puste raus, bei der Hündin scheinbar noch nicht. Heute Nacht schlafen wir besonders gut, schließlich haben wir ja jetzt eine Wachhündin.

Sid, unsere Hündin




17.1. Puerto Bertrand - Cochrane 56 km
Standortkoordinaten: S47.25470,W072.57520

Es war eine gute Entscheidung mit der Pension, denn die Nacht war stürmisch und verregnet. Der morgen sieht gut aus und das erste Mal in einer Pension gibt es ein anständiges Frühstück und das in Chile. Brötchen, Käse, Marmelade,Tee und Kaffee. Nur bei der Uhrzeit des Frühstücks musste ich die ältere Dame ein wenig überreden. Sie war nicht gewillt für uns um 8.00 Uhr Frühstück zu machen. Wir einigen uns auf auf 8.30 Uhr. Um 9.00 Uhr starten wir den Tag. Gott sei Dank ist es trocken. 

Nach 17 km gibt es eine etwas steilere Stelle, die wir aber gut bewältigen, 4 km bergauf. Oben angekommen erzählt uns ein Arbeiter, dass wir nicht weiterfahren können, da gerade Bauarbeiten stattfinden und wir erst um 15.00 Uhr die Straße passieren dürfen. Ich versuche noch den Arbeiter zu überreden, dass wir Fahrradfahrer auch die rechte Fahrbahn nutzen und wir nicht auffallen, aber keine Chance wir dürfen nicht durch. Auf die Frage warum nicht, verstehe ich auch warum. Es werden Sprengarbeiten an der Straße durchgeführt und ich möchte nicht wirklich die Bombenstimmung miterleben. Aber es gäbe eine Ausweichstrecke und der Bauarbeiter zeigt auf den gegenüberliegenden Berghang. Uff da fällt mir nur ein, steil bergauf. Dieser Weg soll bis Cochrane kürzer sein, als die normale Route. 

Also erstmal wieder den erarbeiteten Aufstieg bergab und den Fluss überqueren. Zweites Frühstück ist angesagt. Dann gehen wir den Berg an. Noch wissen wir nicht, wie hoch es wird, vielleicht 500 m, 1000 m oder höher. Wir sehen noch ein Radler-Duo, die sich allerdings genüsslich den Weg per Anhalter mitnehmen lassen. Luschen denken wir, denn die beiden Berliner Jungs sind erst seit 3 Wochen unterwegs. Wir ziehen das durch. Und nach einigen Schiebestrecken erreichen wir nach 10 km den Pass. Nun heißt es bergab auf Flussniveau, Fluss überqueren und dann nochmal zur Straße hinauf. Etwas k.o, erreichen wir Cochrane. Wir sind nicht die einzigen Radler hier. Unsere Schweizer und Franzosen treffen wir wieder und auch bekannte Gesichter von vor 2 Tagen. Großeinkauf ist angesagt, denn die nächsten Tage gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten.





Flussüberquerung


16.01. Puerto Rio Tranquilo - Puerto Bertrand 69 km
Standortkoordinaten: S47.01626, W072.82736

Das Wetter ändert sich über Nacht. Der Himmel ist grau in grau. Wir planen heute bis Puerto Bertrand zu fahren, da dort die nächste Einkaufsmöglichkeit existiert, denn großartig viel mitschleppen auf dieser Etappe möchte ich nicht. Der heutige Tag beschert uns viele Bergauf- und nur wenig Bergabfahrten. Da zählt dann jedes Gramm auf dem Rad. 

Uns kommen am Vormittag wieder Radfahrer entgegen, gleich 4 an der Zahl. Nach den ersten 20 km sehen wir sogar noch Langschläfer mitten im Gestrüpp zelten, auch mit Fahrrad und nochmals 15 km weiter kommt uns ein deutsches Pärchen entgegen. Ich glaub wir sind mittlerweile bei weit über 100 getroffenen Radfahrern in den letzten 7,5 Monaten unserer Reise angelangt. 

Als Straße kann das, was wir gerade fahren, nicht bezeichnet werden. Wellblech und Sand trifft es eher, auf den letzten 15 km nach Bertrand ganz extrem. Und immer suchen wir nach möglichst geeignetem Straßenbelag. Linke Seite, rechte Seite, linke Seite, Mitte der Fahrbahn. Aber schlussendlich ist es egal. Das rauhe Wellblech ist überall und es gibt kein Entkommen. Irgendwann gibt man auf und lässt sich nur noch durchrütteln. 

Der Nieselregen hat uns auch schon wieder und unsere Regenjacken bleiben erstmal an. Tatsächlich, es sieht so aus, als wenn wir das erste Mal einen richtig verregneten Tag erleben dürfen. Um 17 Uhr erreichen wir dann auch das Dorf Bertrand mit 180 Einwohnern. Zeltaufbau bei dem Wetter? Völlig durchgefroren stellen wir uns erstmal am Gemeindehaus unter und ziehen uns unsere schön warme Skiunterwäsche an und warten mal ab, was passiert. Vielleicht verzieht sich der Regen ja noch. Pustekuchen, auch um 18 Uhr kübelt es noch aus Eimern. Ok, dann doch nicht zelten und bei Doña Ester in der Pension schlafen. Den Luxus gönnen wir uns heute, dann bleiben unsere Sachen wenigstens für heute trocken und unsere Muskeln können sich von den 1350 Höhenmetern erholen. 
15.01. Puerto Rio Tranquilo 

Wir nehmen den Namen des Ortes heute mal für bare Münze. Tranquilo heißt die Devise. Der Wecker klingelt früh, heisst aber nicht, dass wir auf die Räder steigen, sondern wir nehmen zur Abwechslung an einer Bootsfahrt teil. Mit 6 weiteren Passagieren geht es mit dem Boot in einer halbstündigen Fahrt heraus zu der klitzekleinen Touristenattraktion, die Marmorhöhlen. In den letzten Jahrhunderten wurden von den Wellen des Lago General Carrera, der zweitgrößte See Südamerikas, schöne Höhlen aus Marmor gewaschen. Je nach Sonneneinstrahlung gibt es ein wunderbares Farbspiel. 








Mittwoch, 15. Januar 2014

14.01. 56 km nach Puente Manso im nirgendwo - Puerto Rio Tranquilo 49 km
Standortkoordinaten: S46.62886, W072.67413

Herrliche Nacht, trocken und ruhig. Nach leckerem Müslifrühstück sitzen wir um 8 Uhr auf den Sätteln, denn der Rückenwind hat eingesetzt und den nutzen wir aus. 

Auf Schotter mit 25 km/h ist unglaublich. Die Bergaufstrecken sind überhaupt nicht mehr anstrengend, wir werden regelrecht aufwärts geschoben. Wir lassen den Regen hinter uns und fahren immer der Sonne entgegen. Heute ist unser Tag! Wenn immer so ein Tag in Patagonien wäre, dann bleibe ich noch ein Weilchen hier.

Im kleinen Dorf Puerto Rio Tranquilo steuern wir den Campingplatz Bellavista mit Dusche und wifi an, ziemlich überteuert, aber nach 3 Tagen brauche ich eine Dusche. Durch den Rückenwind, gibt es eine halben Tag frei. Von der Besitzerin erfahren wir, dass der heutige Tag mit so starkem Sturm nicht normal sei. Sogar die Ausflugsboote zu den Marmorhöhlen sind gestrichen.


"Radlerhütte"

Zweites Frühstück im Garten des kleinen Hostels Patagonia


13.01. Puente Manso - 56 km nach Puente Manso im nirgendwo
Standortkoordinaten: S46.27912, W072.80170

Der Wecker klingelt heute früher als sonst, denn die Straße führt die nächsten 50 km gen Westen und das heißt in Patagonien Gegenwind! Bis nach Puerto Rio Tranquilo schaffen wir es heute nicht mehr. Auf den ersten Kilometern bläst der Wind sehr stark, da kommen wir mit Mühe und Not und 4km/h voran. Aber, die Sonne scheint und es regnet nicht. 

Die ersten 20 km liegen hinter uns, danach ist der Wind wie weggeblasen, herrlich. Bei km 773 soll man am Fluss gut zelten können. Wir verpassen anscheinend die Einfahrt. Aber das macht nichts, denn es ist erst 13:30 Uhr und wir radeln fröhlich weiter und suchen uns dann eben ein anderes feines Plätzchen. Das wird es doch bestimmt hier in dem wunderschönen Patagonien geben. 

Simon biegt auf eine Hofeinfahrt ab und ich denke mir, hat er sich verfahren und will nach dem Weg fragen? Es gibt doch nur die eine Straße. Was sehe ich da, ein verlassenes kleines schnuckeliges Holzhäusschen. Unser Zufluchtsort für heute Nacht. Zwei Zimmer, Tisch und Stuhl. Wie für Radler gemacht. An der Eingangstür haben sich auch schon einige Radler verewigt, auch unsere Radlerfreunde aus La Paz, Alena und Hardy, waren am ersten Weihnachstag hier. An Wasser mangelt es uns auch nicht, denn der Fluss ist nur 3 Meter entfernt. Wieder alles richtig gemacht.

Zelten an der Puente (Brücke)