Sonntag, 16. Februar 2014

08.02. Nationalpark Torres del Paine
Campamento Los Perros - Camping Grey 22 km
Standortkoordinaten: S51.00705, W073.17656 

Erstaunlicherweise sind die ersten die die Zelte abbauen, die Südamerikaner. Entweder haben sie dazugelernt oder was wir eher denken: richtig Muffensausen vor dem Pass. Wir gehen gemütlich wie eh und je die ersten Kilometer an. Der Pass John Gardner liegt auf 1200 Metern. Der Weg ist steinig, sandig und zum Teil auch sehr matschig. Weiterhin hält sich das Wetter. Hier kann ich definitiv kein Regen vertragen. Die Schritte zum Pass werden immer kleiner, denn der Wind pfeift ganz schön und mein Rucksack macht mir zu schaffen. Je höher wir kommen, desto heftiger wird der Wind. 

Oben am Pass angekommen, muss ich sogar meine Mütze absetzen, sonst fliegt sie mir von meinen Ohren. Auf der anderen Seite eröffnet sich vor mir der sagenhafte Gletscher Grey. Einen Gletscher aus 1200 m Höhe anzuschauen ist eine Seltenheit. Der Gletscher entspringt aus dem südlichen Inlandeises Chiles (die drittgrößte Süßwasserreserve der Welt) und ist 6 km breit und mit seiner Höhe von 30m riesengroß.

Wir bleiben nur eine kurze Zeit stehen, da uns mittlerweile auf der anderen Seite der Hagel ins Gesicht peitscht und es sich wie Peeling anfühlt. Zu Mittag kochen wir auf dem Campingplatz Passo, entschließen uns aber nach einem warmen Süppchen auf den nächsten Campingplatz zu gehen. Camping Grey platzt auch aus allen Nähten. Zelt an Zelt stehen sie und nun ist es die Kunst einen Platz umringt vom Rest der Welt zu finden. 


Gletscher Grey

07.02. Nationalpark Torres del Paine
Refugio Dickson -  Campamento Los Perros 10 km
Standortkoordinaten: S50.93204, W073.13338

Simons Rucksack nimmt nicht wirklich an Gewicht ab, denn er schleppt das Essen mit sich. Wir können eine ganze Fußballmannschaft ernähren. Lieber so als andersherum. Es ist heute nur ein kurzer Fußmarsch mit 650 Höhenmetern. Nach 4 Stunden erreichen wir schon das Camp. Wir bereiten uns seelisch auf morgen vor, denn der stürmische John Gardner Pass mit einer Höhe von sagenhaften 1200 Metern wartet auf uns.




06.02. Nationalpark Torres del Paine 
Campamento Serón - Refugio Dickson 19 km
Standortkoordinaten: S50.87936, W073.07620

Das Wetter ist weiterhin mit uns. Regen ist nicht in Sicht. So richtig will sich die Sonne allerdings auch nicht blicken lassen. Die ersten gehen die Wanderung früh an. Das ist gut so, denn so bilden sich keine Karawanen auf dem Weg. Man könnte die Wanderer hier in zwei Kategorien unterteilen: Südamerikaner und den Rest der Welt, also Europäer, Amerikaner, Australier, Neuseeländer und Japaner. Der Rest der Welt steht in der Regel gegen 7 Uhr auf und ist spätestens gegen 9 Uhr losmarschiert. Da schaut der Südamerikaner noch müde aus dem Schlafsack und denkt sich, was das denn für ein Lärm mitten in der Nacht ist. Gegen 11 Uhr steht dann der Südamerikaner in den Startlöchern. 

Der Rest der Welt hat so ein einigermassen konstantes Wandertempo mit einigen Pausen dazwischen. Der Südamerikaner dagegen rennt erstmal im Höllentempo los und versucht nun krampfhaft den Rest der Welt einzuholen. Hat vielleicht was mit der Macho-Ehre hier zu tun. Nur leider hat der Rest der Welt teure und leichte Ausrüstung. Zudem kommen aus dem Rest der Welt meist Leute zum Wandern in den Park und dementsprechend sind sie gut konditioniert und vorbereitet. Schliesslich fliegt man nicht mal eben am Wochenende ins tausende Kilometer entfernte Puerto Natales. 

Nach einiger Zeit haben es aber dann doch nun einige Südamerikaner geschafft einige Wanderer aus dem Rest der Welt einzuholen. Ehre gerettet, Welt in Ordnung, Pause. 

Gegen Mittag trudeln dann die ersten, nennen wir sie mal Jogger, Marathonläufer oder Frühaufsteher im Camp ein. Die sind dann die Strecke ohne Pause durchgelaufen. Alle anderen vom Rest der Welt haben den Wandertag genossen und kommen gegen Nachmittag oder frühen Abend im Camp an. Zeltaufbau, waschen, Essen machen und dann langsam fertig machen zum Schlafen gehen.

Ab diesen Zeitpunkt kommen dann so nach und nach die Südamerikaner im Camp an. Zumeist völlig fertig von den Sprints und den langen Pausen. So zwischen 22 und 23 Uhr macht der Rest der Welt die Augen zu, da fangen die Südamerikaner an zu kochen. Und was dann bei einigen Tetrapacks Wein folgt, kann sich ja jeder denken. 





05.02. Puerto Natales - Nationalpark Torres del Paine
Campamento Serón 15 km
Standortkoordinaten: S50.86602, W072.8928

Ich habe das Spiel verloren und Simons Wunsch wird durchgeführt, im Torres del Paine Nationalpark das O zu wandern. Dies bedeutet etwa 8-10 Tage Wanderung und für diese Zeit auch Essen mitzunehmen. Unsere Rucksäcke sind dementsprechend voll und schwer. So ist das manchmal; mal verliert man, mal gewinnen die anderen. 

Die Busfahrt in den Nationalpark Torres del Paine dauert 2 Stunden. Nach der Registrierung sehen wir uns noch ein Video an, dass die Parkbestimmungen erläutert, ganz wichtig für die Südamerikaner: kein Müll liegen lassen und den eigenen Müll wieder mit aus dem Park nehmen, das Kochen ist nur auf ausgewiesen Orten gestattet und zelten auf den Campingplätzen. Vergehen dieser Bestimmungen werden mit Bußgeld oder sogar Gefängnis bestraft. 

Teile des Nationalpark sind 2005 und 2011/2012 durch unachtsame Touristen in Brand geraten und bei den Windgeschwindigkeiten hier kann man sich sehr gut vorstellen, dass es Wochen gedauert hat, den Brand unter Kontrolle zu bekommen. 

Der erste Tag bringt uns zum Campamento Serón. Am Nachmittag stehen gerade mal 10 Zelte auf dem Platz und wir sind noch guten Mutes. Am Abend trudeln aber immer mehr Wanderer ein und bei 50 Zelte habe ich nicht weiter gezählt. Die große Runde, die wir gehen, gehen angeblich nicht viele. Naja, ob wir heute Nacht ein Auge zumachen? Immerhin gibt es hier heiße Duschen. Genauer gesagt zwei für über 100 Personen.

Windstärkenangaben für die nächsten Tage

04.02. Puerto Natales 

Die restlichen Vorbereitungen laufen auf Hochtouren für die nächsten Tage. Was und vor allem wie viel essen kaufen wir ein, wo schlafen wir und die wichtigste Frage des Abends, welche Runde drehen wir im Nationalpark Torres del Paine? O oder W ist die Frage. Das sind die Abkürzungen für die beiden beliebtesten Wanderungen. Schaut man auf eine Karte sieht der Wanderweg aus wie ein großer Kreis, also das O oder zigzack wie ein W wobei das O das W beinhaltet. 90 Prozent aller Wander gehen das W in 3 bis 4 Tagen und nur noch wenige das O in 8 bis 10 Tagen, so steht es geschrieben. 

Puerto Natales


03.02. El Calafate - Puerto Natales
Standortkoordinaten: S51.71123, W072.47480

Es ist beschlossen, wir nehmen heute den Bus nach Puerto Natales, denn die Zeit wird knapp, da wir noch im Torres del Paine Nationalpark wandern wollen. Wir schlafen bei Daniela und Drew, die wir über couchsurfing auswählen. Für die nächsten Tage lassen wir auch unsere Fahrräder und die restlichen Sachen bei den beiden. Die ersten Vorbereitungen treffen wir noch am Abend. 

02.02. El Calafate 

Ruhetag