Donnerstag, 12. Dezember 2013

10.12. San Juan de Villalobos - Pitalito 63 km
Standortkoordinaten: N01.84764, W076.08637, Höhe: 1315 m

Gestern Abend dachten wir noch, das wird die schlimmste Nacht unserer Reise und wir werden kein Auge zu machen, denn der Aufenthaltsraum mit Sitzecke und Fernseher grenzt genau an unser Zimmer und nur durch eine Bretterwand getrennt. Aber im Gegenteil: alles schön ruhig und super geschlafen. Wir verzichten auf unser Frühstück und nehmen es später ein. 

Der Morgen beginnt trocken. Wir beten und hoffen, dass es heute so bleibt, denn wir müssen erstmal 32 km bergauf radeln. Der Regenguss beginnt pünktlich um 9 Uhr. Wir retten uns gerade noch unter das Vordach eines Verkaufsstandes. Nur hat dieser geschlossen. Nicht schlimm, denn Tisch und Stühle sind vorhanden. Es dauert nicht lange, dann kommt die nette Señora des Standes und hat Kaffee mitgebracht. Herrlich, den brauchen wir jetzt auch. Wir plaudern und quatschen, denn der Regen kommt jetzt sintflutartig vom Himmel. So schaffen wir es nie bis zu unserem eigentlichen Ziel San Agustin. Also plaudern wir weiter über Weihnachten und Sylvester in Kolumbien. Nach über einer Stunde Pause können wir endlich weiter. Die kurze Pause des Regens dauert aber nicht lange an. Pitschnass  erreichen wir gegen Mittag den Pass auf 2280 m. 

Auch hier wieder Militärposten und das nicht zu knapp. Die Jungs vom Militär halten uns im kurzen Schnack auf. Sie geben uns noch einen Tipp für ein leckeres Mittagessen und zur Verabschiedung erklärt uns der junge Soldat, dass sie das Militär Ejército legal sind und zum Land gehören und das sie nicht die FARC wären. Na da sind wir aber froh denken wir. 

Nun liegt eine wunderbare Abfahrt vor uns. Die 1000 Höhenmeter, die wir uns mühsam erstrampelt haben, gehen wieder bergab. Wir halten allerdings noch bei dem Restauranttipp. Hinter dem Restaurant gibt es eine eigene Forellenzucht. Der Fisch ist wirklich sehr lecker. Kurz vor Pitalito, an der Abzweigung nach San Agustin, wollen wir übernachten. In der ersten Unterkunftsmöglichkeit stelle ich dann fest, dass es viele Garagentore gibt. Auf Nachfrage, ob es ein Hotel oder Motel sei, war die Frage schon beantwortet. Aber kurz dahinter finden wir eine Tankstelle mit Zimmern. Perfekt: Zimmer nach hinten raus, eigenes Bad, sieht alles ziemlich neu aus. Ich liebe die Tankstellen Kolumbiens.



Talfahrt Richtung Pitalito


Schöne blinkende Weihnachtsdeko vor unserer Tür

Mittwoch, 11. Dezember 2013

09.12. Mocoa - San Juan de Villalobos 68 km 
Standortkoordinaten: N01.49629, W076.37936 Höhe: 1395 m

Es geht los. Soweit ist Simon wieder fit. Allerdings können wir nicht früh los, denn es gießt noch in strömen. Um kurz vor acht machen wir uns endlich auf den Weg. Heute heißt es wieder Aufstieg, Aufstieg, Aufstieg. Die ersten 20 km gehen wir ganz langsam an, zwischendurch verlieren wir wieder an Höhe. Trotz der Ruhetage bin ich heute ziemlich erledigt. Der Aufstieg fällt mir besonders schwer. Es fühlt sich an, als hätte jemand die Handbremse angezogen.  

Nach km 35 kommen wir an einer Truckerraststätte vorbei. Zeit für unser zweites Frühstück. Für ein Mittagessen ist es noch ein wenig zu früh, obwohl das Essen der Truckerfahrer wirklich gut aussieht. Wir bestellen uns Kartoffeln, die schmecken in Kolumbien genauso lecker wie in Deutschland, dazu gibt es leckere Bananen und Kaffee. Es fängt wieder an zu regnen. Da wir im Trockenen sitzen, genehmigen wir uns gleich noch zwei Kaffee. Nach 15 Minuten ist es wieder trocken und wir schwingen uns schnell auf die Räder, denn es liegen noch über 30 km vor uns und die Steigung hat noch kein Ende genommen. Weiter geht's im Trockenen. 

Die Gegend in der wir herumradeln ist wunderschön. Urwald und Täler soweit das Auge reicht. Das Wasser wird uns heute auch nicht ausgehen, da es überall kleine Wasserfälle gibt. Wenn jetzt noch der Regen aufhören würde, dann wäre alles perfekt. Insgesamt sind wir heute 1718 Höhenmeter hinaufgeradelt.  

Wir wissen, dass es in dem kleinen Dorf vor uns ein schönes neues kleines Hotel gibt. Der Besitzer wird auch gerade gerufen, zeigt mir die Zimmer und ich bin begeistert. Der Preis ist auch perfekt. Der Besitzer lässt uns allerdings die Fahrräder nicht mit auf das Zimmer nehmen. Unten am Geländer dürfen wir sie nicht hinstellen und anschließen. Draußen vor der Tür wäre es möglich. Dann können wir die Fahrräder ja gleich verschenken denke ich mir. 

Es gibt leider nur eine Alternative in diesem kleinen hundert Seelen Dorf: Residencial San Juan. Das ist eine dieser Unterkünfte, in denen man am liebsten in der Mitte des Raumes auf einem Stuhl stehend übernachtet. Auch hier trifft der Name Bretterbude zu. Hilft nix, wenigstens gibt es eine schöne heiße Dusche. 

Alternativ überlegen wir noch bei der Polizeistation im Garten zu zelten. Die Jungs sind aber schon vor dem Gebäude so hinter Sandsäcken verbarrikadiert, mit Maschinengewehren auf Dreibeinen im Anschlag, dass wir uns nur denken was wohl besser wäre: Nachts im Kugelhagel sterben oder lieber Bettwanzen? Wir entschließen uns für Bettwanzen.

Residencial San Juan
Dusche
Toilette
Waschraum mit Gartenzugang
Küche
Unser Zimmer
Aufenthaltsraum


06.12. - 08.12. Mocoa

Zwangsruhetage aufgrund von Fieber und Mandelentzündung.

Blick aus unserem Hotel 

Freitag, 6. Dezember 2013

05.12. Mocoa

Ruhetag heißt: Wäscherei aufsuchen, Frisör für Simon, Etappen der nächsten Tage planen und die Beine schonen.
04.12. Sibundoy - Mocoa, Trampolin de la Muerte 85 km
Standortkoordinaten: N01.14575, W076.64713 Höhe: 615 m

Um 5:45 Uhr sitzen wir im Sattel. Wir benötigen noch dringend Wasser und wollten filtern, nur sieht das Wasser aus der Leitung nicht gerade gesund aus. Um die Uhrzeit hat noch kein Geschäft in Sibundoy geöffnet. Wir versuchen es im nächsten Dorf San Francisco und juhu die letzte Tienda hat tatsächlich geöffnet und wir bekommen Wasser. Die Flaschen sind gefüllt, sechs Bananen, eine gute Tafel Schokolade (nicht leicht zu bekommen in Kolumbien) und ein paar Brötchen sind eingepackt. Nun kann es losgehen. Einige Truckerfahrer halten uns noch davon ab, denn die Herren können es nicht glauben, dass wir seit 6 Monaten mit dem Rad unterwegs sind und das mit dem Gepäck. Uns wird noch Mut für die bevorstehende Strecke zugesprochen und wenn wir Trinkwasser benötigen, wären wohl genügend Wasserfälle auf dem Weg sagt man uns und dann dürfen wir los. 

Nun hört auch endlich der störende Asphalt auf und im Gegenzug beginnt die Steigung. Erster Gang und Schotterpiste, na toll. Nach 2 Stunden und 618 Höhenmeter sind wir vorerst am ersten Pass angekommen und es ist noch trocken, Halleluja. 

Dann dürfen wir wieder herunter, das haben Berge leider so an sich. Der Regen setzt langsam ein und die Regenjacke muss her. Nun wird es auch noch glitschig. Die Temperatur ist auch mittlerweile auf 10 Grad gesunken. Zwischendurch taucht ein kleines Restaurant (Stichwort Bretterbude) auf und wir wärmen uns am Kaffee und hoffen, dass der starke Regen weniger wird. Lange können wir keine Pause machen, sonst schaffen wir es nichtmehr im Hellen nach Mocoa. 

Nach einigen Kilometern kommt uns ein australischer Motorradfahrer mit seiner vollgepackten BMW Enduro entgegen, hält an und fragt uns wie weit denn das noch so weitergehe mit dem schlechten Straßenzustand? Und ich denke nur, du hast ja gut reden auf deinem Motorrad: Junge, mach das mal mit 'nem Fahrrad! 

Völlig durchnässt gelangen wir nach 50 km am Pass an. Zum Glück gibt es wieder eine Bretterbude (Stichwort: Restaurant). Der Kaffee schmeckt etwas rauchig, wird schließlich auf dem offenen Feuer zubereitet. Und da es hier ständig regnet ist das Holz auch ständig nass, das Feuer ständig am qualmen und die Bude ständig im Rauch. Aber egal, wir sitzen im Trockenen. Ich muss jetzt nicht erwähnen, dass es gerade anfängt zu gewittern. Und auf die Frage, ob es denn hier oben auch mal gutes Wetter geben würde antwortet der Koch: „ja im Sommer würde hier schon mal die Sonne durchkommen, so an drei bis vier Tagen im Jahr." Dann haben wir es in Hamburg mit dem Wetter ja doch noch ganz gut getroffen. 

Die nächsten knapp 30 km sind Gott sei Dank nur Abfahrt, die Schlammschlacht kann beginnen. Da ja weiterhin Verkehr herrscht, ist Vorsicht auf der holprigen, steilen, schlammigen und jetzt auch noch sehr rutschigen Straße geboten. Schließlich geht es neben der Straße mehrere hundert Meter senkrecht bergab. Aber keine Panik, ab und zu gibt es Leitplanken und der Rest ist mit Absperrband "gesichert". Wir kommen nicht so schnell voran. Das liegt einerseits and der Straße andererseits an der Landschaft. Immer wieder müssen wir anhalten, um Fotos von den vielen kleinen Wasserfällen und dem Urwald zu machen. 

Um 17:00 Uhr, nach über elf Stunden kommen wir im tropischen Mocoa an. Mocoa wird auch das Tor zum Amazonas genannt. Von hier aus erstrecken sich tausende von Quadratkilometer Urwald Richtung Venezuela, Brasilien und Peru. Und waren wir eben noch vom Regen auf über 2000 Metern Höhe durchgefroren, kommen wir hier unten auf 600 Meter Höhe ganz schön ins Schwitzen. Und es gibt noch ein Problem: Unsere Räder und wir selber sehen aus wie sau. So kommen wir in kein Hotel und in einer halben Stunde wird es dunkel. Und wer fährt schon gerne im Dunkeln mit dem Fahrrad durch Kolumbien? Aber wie es der Zufall so will: direkt gegenüber einiger Hotels, mitten im Zentrum entdecken wir einen Autowaschplatz. Der nette Besitzer hat auch Mitleid mit uns und lässt uns und unsere Räder mit dem Schlauch abspritzen. Eine Steigung müssen wir heute aber noch nehmen. Das Zimmer im Hotel Fontana Real liegt im 5. Stock. Als wenn die 1478 Höhenmeter heute nicht schon genug wären. 










und weiter bergauf



Da unten müssen wir hin
Wo ist Simon?
Es geht bergab



Ende der Schlammschlacht

03.12. El Encano - Sibundoy 42 km
Standortkoordinaten: N01.20475,W076.92171 Höhe: 2.140 m

Es war eine ruhige Nacht. Wir waren die einzigen Gäste. Gut, dass kein Wochenende ist. Die Touristenschaaren sollen hier am Wochenende wohl ins Unermessliche steigen. 

Landschaftlich ist es hier wirklich wunderschön, wenn nur die Wolken nicht andauernd da wären. Wir arbeiten uns auch heute wieder einige Höhenmeter hoch. Nach knapp 10 km sind wir auf dem Pass von 3260 Metern angekommen und es ist hier oben merklich kühler. Dick einpacken heißt es nun, denn die Anden sind ein auf und ab. Die Abfahrt beschert uns 15 km. Anschließen heißt es wieder ein wenig bergauf und bergab. 

In Sibundoy kommen wir im Hotel San Diego unter, mit heißer Dusche, welch ein Segen. Sibundoy ist ein kleines gemütliches Dorf. Für unsere Bedürfnisse ist die Größe völlig ausreichend. Das, was wir brauchen, bekommen wir. Heute heißt es sehr früh ins Bett, denn morgen liegt ein harter Tag vor uns. 

Wir wollen den Trampolin de la Muerte fahren. In Bolivien sind wir ja schon den Camino de la Muerte, übersetzt Todesstraße gefahren. Und Kolumbien hat auch so eine Todesstraße durch den Urwald. Den Namen Todesstraße gab es ja schon. Also was machen fragten sich die Kolumbianer? Es geht über zwei Pässe auf und ab auf unserer einspurigen Huppelpiste, also nennen wir sie Trampolin de la Muerte, übersetzt: Trampolin des Todes. Wir sind ein wenig nervös, weil diese Strecke kaum ein Fahrradfahrer fährt. Schlechtwetter mit sintflutartigen Starkregen, Erdrutsche, Djungel, grobe und dabei nasse und steile Schotterpiste kennzeichnen die Strecke. Deshalb nehmen die meisten Fahrradfahrer einen vierradgetriebenen Pickup oder brechen mittendrin ab und halten einen Lastwagen an. Busse fahren die Strecke nicht. Einige fahren die Strecke in zwei Tagen, wenige an einem Tag. 

Energie Drink am Straßenrand



Ist es nun verboten oder nicht? 
Tomate de Árbol, lecker

02.12. Pasto - El Encano 28 km
Standortkoordinaten: N01.14897, W077.15398 Höhe 2.800 m

Nochmal über die Anden. Diesmal von West nach Ost. Obwohl die Ausläufer hier recht klein sind und wir schon gut konditioniert sein sollten, sind wir doch nach 15,6 Kilometern bei 3238 Höhenmetern am Pass etwas aus der Puste. 

Schön so ein Frühsport, wenn es ab der Hoteltür nur bergauf geht. Am Himmel ziehen sich schon wieder dicke Regenwolken zusammen. Dann bleiben wir mal lieber in El Encano bzw. kurz dahinter Richtung La Cocha See im Hotel Naturalia. Naja Hotel ist mal wieder etwas weit hergeholt. Aber die Besitzerin ist super nett. Und gut, dass wir hier geblieben sind, mittags fängt es an zu regnen. 

Wir gehen zum See und wundern uns schon sehr. Sind wir noch in Kolumbien oder wurden wir gerade in die Schweiz teleportiert? Holzhäuser mit Spitzdächern, von den Balkonen ranken Geranien, verzierte Fensterläden, eben ganz wie bei den Eidgenossen. 




Augen auf beim Autofahren????

Pass auf 3238 m
La Cocha
Hotel Naturalia
El Encano