Mittwoch, 15. Januar 2014

14.01. 56 km nach Puente Manso im nirgendwo - Puerto Rio Tranquilo 49 km
Standortkoordinaten: S46.62886, W072.67413

Herrliche Nacht, trocken und ruhig. Nach leckerem Müslifrühstück sitzen wir um 8 Uhr auf den Sätteln, denn der Rückenwind hat eingesetzt und den nutzen wir aus. 

Auf Schotter mit 25 km/h ist unglaublich. Die Bergaufstrecken sind überhaupt nicht mehr anstrengend, wir werden regelrecht aufwärts geschoben. Wir lassen den Regen hinter uns und fahren immer der Sonne entgegen. Heute ist unser Tag! Wenn immer so ein Tag in Patagonien wäre, dann bleibe ich noch ein Weilchen hier.

Im kleinen Dorf Puerto Rio Tranquilo steuern wir den Campingplatz Bellavista mit Dusche und wifi an, ziemlich überteuert, aber nach 3 Tagen brauche ich eine Dusche. Durch den Rückenwind, gibt es eine halben Tag frei. Von der Besitzerin erfahren wir, dass der heutige Tag mit so starkem Sturm nicht normal sei. Sogar die Ausflugsboote zu den Marmorhöhlen sind gestrichen.


"Radlerhütte"

Zweites Frühstück im Garten des kleinen Hostels Patagonia


13.01. Puente Manso - 56 km nach Puente Manso im nirgendwo
Standortkoordinaten: S46.27912, W072.80170

Der Wecker klingelt heute früher als sonst, denn die Straße führt die nächsten 50 km gen Westen und das heißt in Patagonien Gegenwind! Bis nach Puerto Rio Tranquilo schaffen wir es heute nicht mehr. Auf den ersten Kilometern bläst der Wind sehr stark, da kommen wir mit Mühe und Not und 4km/h voran. Aber, die Sonne scheint und es regnet nicht. 

Die ersten 20 km liegen hinter uns, danach ist der Wind wie weggeblasen, herrlich. Bei km 773 soll man am Fluss gut zelten können. Wir verpassen anscheinend die Einfahrt. Aber das macht nichts, denn es ist erst 13:30 Uhr und wir radeln fröhlich weiter und suchen uns dann eben ein anderes feines Plätzchen. Das wird es doch bestimmt hier in dem wunderschönen Patagonien geben. 

Simon biegt auf eine Hofeinfahrt ab und ich denke mir, hat er sich verfahren und will nach dem Weg fragen? Es gibt doch nur die eine Straße. Was sehe ich da, ein verlassenes kleines schnuckeliges Holzhäusschen. Unser Zufluchtsort für heute Nacht. Zwei Zimmer, Tisch und Stuhl. Wie für Radler gemacht. An der Eingangstür haben sich auch schon einige Radler verewigt, auch unsere Radlerfreunde aus La Paz, Alena und Hardy, waren am ersten Weihnachstag hier. An Wasser mangelt es uns auch nicht, denn der Fluss ist nur 3 Meter entfernt. Wieder alles richtig gemacht.

Zelten an der Puente (Brücke)



12.01. Reserva National Cerro Castillo - Puente Manso 57 km
Standortkoordinaten: S46.15920, W072.33726

Der Parkranger erklärt uns, dass wir bis zum Pass 20 km bergauf radeln müssen, aber so sanft, dass man es kaum spürt. Na denke ich, Du hast gut reden als Autofahrer. Aber der Ranger hat recht, es läuft tatsächlich wie am Schnürchen. Den Pass erreichen wir gegen Vormittag. Wir sehen schon den schneebedeckten Cerro Castillo. Nun geht es 16 km bergab bis in das Dorf Villa Cerro Castillo. Einkaufen müssten wir heute, denn die nächsten zwei Tage kommen wir an keinem Dorf vorbei. Wie so oft haben wir Glück und wir können aus mehreren kleinen Krämerladen unser essen für die nächsten Tage ergattern. 

Aus der Touristeninformation wissen wir, dass es in 10 km einen Campingplatz gibt, den wir auch ansteuern wollen. Erwähnte ich eigentlich schon, dass der Schotter uns wieder hat? Kurz nach Villa Cerro Castillo geht es wieder schottermäßig bergauf und bergab für die nächsten etwa 450 km. 

Auch wenn der Tag heute entspannt läuft, so richtig Lust verspüre ich nicht wirklich. Ich nehme den letzten Kilometer zum Campingplatz bergab in Angriff und werde in der Kurve von einer so starken Windböe erfasst, dass es mich vom Rad reißt. Mit verstaubten Beinen und einigen kleinen Abschürfungen komme ich davon. Der Campingplatz ist ja gleich da vorne, da kann ich mich dann verarzten. Nur schade, dass wir vor verschlossenen Toren stehen. 

Was nu? Wir suchen uns dann eben ein Plätzchen zum wildzelten. Nach gut 6 km gibt es eine Stelle direkt an einer Brücke die nicht  so optimal ist, aber direkt am Fluss liegt. Wir überlegen nicht zweimal. 


Pass






Cerro Castillo

11.01. Coyhaique - Reserva National Cerro Castillo 63 km
Standortkoordinaten: S45.98600, W071.88090

Bestes Wetter! Also heute doch keinen weiteren Ruhetag sondern das gute Wetter ausnutzen und weiterradeln. Die Landschaft ändert sich. Nicht mehr ganz so viel Wald dafür mehr grüne Wiesen. Viele schöne Wildbäche und türkisblaue Seen mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Aber ich wiederhole mich. 1200 Höhenmeter sind es heute wieder mal bergauf bis wir an einem wunderschönen Nationalparkzeltplatz ankommen. Aber Rückenwind - Halleluja! Ersteinmal muss ich den Kamin anfeuern, damit ich heiß duschen kann. Feuerholz ist genug vorhanden. Sogar das Lagerfeuerholz ist kostenlos. Netter Service.






Kamin für heiße Dusche

Samstag, 11. Januar 2014


10.01. Coyhaique
Standortkoordinaten: S45.58512, W072.05254

Ruhe-, Wasch- und Planungstag. Wir wechseln auch noch einen Hinterreifen, der einen tiefen Riss bekommen hat und wo wir schon dabei sind, wechseln wir auch gleich noch eines der Ritzel. 
09.01. Mañihuales - Coyhaique 91 km
Standortkoordinaten: S45.58512, W072.05254

Die ganze Nacht schüttet es aus Eimern, aber der Morgen begrüßt uns mit Sonne und sattem Gegenwind, der erst nach der Hälfte der Strecke dreht. Oder was wahrscheinlicher ist: die Straße ändert die Richtung. Sei es wie es ist, die letzten Kilometer werden wir den Berg hochgeschoben bevor es dann bis Coyhaique bergab geht. Die Strecke ist wieder mal wie aus dem Bilderbuch mit vielen glasklaren Bächen, grünen Wiesen und unzähligen Wasserfällen. In Coyhaique übernachten wir im Garten von Boris, der demnächst für acht Jahre mit dem Fahrrad um die Welt radeln möchte.




08.01. 27 km vor Villa Amengual - Mañihuales 89 km
Standortkoordinaten: S45.17533, W072.14928

Mittlerweile ist der Asphalt wieder da und es rollt einmalig. Wir hoffen, dass es in Villa Amengual irgendwelche kleinen Geschäfte gibt, denn unsere Essensvorräte sind bis auf Haferflocken und Milchpulver aufgebraucht und nach Mañihuales ist es doch noch weit. Das Wetter ändert sich minütlich. Der Asphalt ist immer noch hervorragend und das Universum meint es doch gut mit uns. In Amengual gibt es tatsächlich 3 Läden und wir müssen nicht hungern. 

Die letzten 40 km laufen sehr rasant für uns, denn mit Rückenwind fährt es sich ja bekanntlich einfacher. Eigentlich schlafen wir heute bei Jorge in der Casa de Ciclista, aber wir sind zwei Tage zu früh dran und haben Pech, denn Jorge ist noch in den Ferien. Der offizielle Zeltplatz des Dorfes ist wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, was ja Sinn macht in der Hauptsaison, aber bei dem letzten Hospedaje des Dorfes dürfen wir am Fluss zelten und die Schweizer Seilschaft trudelt auch abends noch ein.